NOE Zentral

Der Bezirk St. Pölten verzeichnete in etwa 300.000 Übernachtungen im Jahr 2009. Trotz einer neuerlichen Steigerung von + 6,2% im Jahr 2010 liegt die Landeshauptstadt mitsamt seinen Umlandgemeinden nur an der 6. Stelle, was die Nächtigungszahlen im Bundesland Niederösterreich betrifft. Betrachtet man den Bezirk im österreichweiten Vergleich, so liegt das Nächtigungsaufkommen bei lediglich 0,2%.
 
Dabei verfügt die gesamte Region St. Pölten und insbesondere das Tourismusgebiet Niederösterreich Zentral über eine theoretisch relativ gut ausgebaute Beherbergungs- und Dienstleistungsstruktur. Das Angebot reicht von der Jugendherberge bis zum 4 Sterne-Hotel, vom einfachen Bett mit Frühstück bis hin zum gut ausgebauten Seminarhotel. Dennoch entspricht die Qualität der vorhandenen Infrastruktur in vielen Fällen, vor allem in den kleineren Gemeinden, nicht den Anforderungen des modernen Tourismus. Fehlende Investitionen haben vor allem die von Familien geführten Unterkunftsmöglichkeiten veralten lassen. Aufgrund dessen konzentrieren sich die Übernachtungen vor allem auf die besser ausgebauten Städte der Region oder - im ungünstigsten Fall - auf benachbarte Bezirke.

Bei den Besuchern der Region Niederösterreich Zentral überwiegen, wie in zahlreichen ländlichen Tourismusgebieten, im Sommer wie auch im Winter die österreichischen Gäste (im Sommer bis zu 70% und im Winter bis zu 90% Inlandstourismus). Eine internationale Vermarktung der Region findet nur in sehr geringem Maße statt. Darüber hinaus hat man sich bisher kaum auf den lohnenden Bereich des Seminartourismus konzentriert, der die Region auch über die Grenzen hinweg mehr in den Fokus rücken würde. Gerade hier ergeben sich, dank der Nähe zu den benachbarten Ballungsräumen Wien und Linz sowie der idealen Verkehrsanbindung (sowohl im öffentlichen Verkehr als auch im Individualverkehr), zahlreiche Möglichkeiten, die bislang ungenutzt blieben.

Anhand der bisherigen Forschungsergebnisse zeigt sich, dass die Region Niederösterreich Zentral mitsamt der Landeshauptstadt St. Pölten im Bereich Seminar- und Geschäftstourismus sowie am Sektor Meetings-Incentives-Conventions-Events (MICE) durchaus Erfolge erzielen könnte. Die Voraussetzungen für Kleinkongresse, Tagungen, Firmenveranstaltungen, Events und mehrtägige Betriebsausflüge sind aufgrund der touristischen Infrastruktur, des breiten Freizeit-, Kultur- und Kulinarikangebots sowie der verkehrstechnischen Anbindung auf alle Fälle vorhanden.
 
Zudem ist in diesem lukrativen Segment nicht nur die höchste Wertschöpfung zu erzielen (Ausgaben Seminartourist EUR 160,- bis EUR 180,- / Tag; Ausgaben Freizeittourist: EUR 100,- / Tag; Ausgaben Tagestourist: EUR 60,- bis EUR 70,-) sondern auch mit Wachstumszuwächsen zu rechnen, wie die UNWTO in einer Studie ermittelt hat. Österreich nimmt diesbezüglich eine starke Position ein, zumal sich das Land als attraktive Kongressdestination etabliert hat, die sich im internationalen Umfeld Jahr für Jahr hervorragend behaupten kann sowie den hohen Standards gerecht wird. Laut der International Congress and Convention Association (ICCA) belegt Österreich im Ranking der bestgebuchten Konferenzdestinationen Platz 9; bei der Union of International Associations (UIA) liegt Österreich auf Rang 8. Mit dem benachbarten Wien hat die Region Niederösterreich Zentral sogar einen Top Global Player der Kongresswirtschaft vor der Haustüre.
 
Quellenverzeichnis:
Statistik Austria | ICCA | UIA | Vienna Convention Bureau